Harnstoff (landwirtschaftliche Verwendung) – Aktueller Bericht zur Marktintelligenz für Rohstoffe
I. Preisentwicklung
- Spotpreise: Stand 8. April 2026 zeigte der inländische Harnstoff-Spotmarkt eine schwache und volatile Entwicklung. In der Region Nordchina setzten sich die Preisrückgänge fort: Unternehmen wie Shandong Ruixing senkten ihre Angebotspreise deutlich, während große Produzenten wie Shanxi Tianze und Henan Jinkai nur moderate Preisanpassungen nach unten vornahmen. Der Ostchinesische Markt war insgesamt breit unter Druck und verzeichnete einen allgemeinen Preisrückgang; die Nachfrage seitens der Abnehmer blieb verhalten, und die Angebotspreise der Händler gaben insgesamt nach. Im Südwesten Chinas bestand weiterhin eine deutliche Spanne zwischen Hoch- und Niedrigpreisniveaus; bei den preisgünstigeren Qualitäten verbesserte sich die Transaktionsaktivität leicht, während die Hochpreissegmente stagnierten. In der Nordwestregion Chinas sowie in Xinjiang blieben die Unternehmensangebotspreise stabil.
- Terminpreise: Der wichtigste Harnstoff-Terminvertrag stürzte stark ab und schloss mit einem Minus von 54 RMB/Tonne gegenüber dem Vortag bei 1.804 RMB/Tonne. Das Handelsvolumen erreichte 375.000 Lose, während die offene Position bei 159.500 Losen lag – ein Rückgang um 41.200 Lose gegenüber der vorherigen Sitzung.
II. Angebots-Nachfrage-Dynamik
- Angebotsseite: Die durchschnittliche Auslastungsrate der inländischen Harnstoffanlagen blieb insgesamt hoch, wobei die tägliche Produktionsmenge kontinuierlich über 216.000 Tonnen lag und die durchschnittliche Auslastungsrate bei rund 91,68 % lag. Einige Unternehmen gewährten proaktiv Rabatte, um Lagerdruck abzubauen; das Angebot bleibt jedoch weiterhin reichlich.
- Nachfrageseite:
- Landwirtschaftliche Nachfrage: Die Vorbereitung auf die Frühjahrsaussaat und -düngung neigt sich dem Ende zu, wodurch die landwirtschaftliche Nachfrage nach Düngemitteln zunehmend an Bedeutung verliert. Die nächste bedeutende landwirtschaftliche Düngesaison wird für Juni–Juli erwartet, wenn Reis und Mais – die wichtigsten Feldfrüchte – in ihre Hauptdüngphase eintreten.
- Industrielle Nachfrage: Die Produktionsauslastung bei Compounddüngemittel-Herstellern sowie in der Plattenfertigungsindustrie bleibt stabil, ohne dass signifikante Steigerungen des Harnstoffverbrauchs zu erwarten sind. Die Herstellung stickstoffreicher Compounddüngemittel hat allmählich begonnen, was die Harnstoffnachfrage moderat erhöht; andere nachgelagerte Betriebe hingegen kaufen weiterhin nach dem „Just-in-Time“-Prinzip in stabilem Umfang ein.
III. Lagerbestandsentwicklung
- Die Lagerbestände der inländischen Harnstoffwerke sinken weiter: Stand 3. April beliefen sich die Werkslager auf rund 523.000 Tonnen – ein Wochenrückgang um 22,63 % und ein Rückgang um 31,63 % im Vergleich zum Vorjahreswert (2025).
- Die Lagerbestände in der Region Guangdong-Guangxi („Liangguang“) betrugen insgesamt etwa 140.000 Tonnen, verglichen mit 150.000 Tonnen im gleichen Zeitraum des Vorjahres – ein Rückgang um 10.000 Tonnen im Jahresvergleich.
- Die Lagerbestände an chinesischen Häfen beliefen sich auf rund 160.000 Tonnen, ein Anstieg gegenüber 120.000 Tonnen im Vorjahresvergleich.
IV. Kostenunterstützung
- Stabile Kohlepreise bieten eine grundlegende Preisstütze für den Harnstoffmarkt. Die Anthrazitpreise haben nach jüngsten Zuwächsen wieder Stabilität erlangt; Kohleproduzenten sehen sich an den Bergwerksmundlöchern kaum mit Lagerproblemen konfrontiert und priorisieren bei ihren Verkäufen die Preisstabilität. Allerdings hat die jüngste Erhöhung der Kohlepreise die Einkaufsstimmung der nachgelagerten Verbraucher vorsichtiger werden lassen, sodass die Auktionspreise an den Bergwerksmundlöchern leicht gesunken sind.
V. Einfluss des internationalen Marktes
- Angesichts der anhaltenden Spannungen im Nahen Osten befinden sich die internationalen Harnstoffpreise weiterhin auf einem Aufwärtstrend; die Marktstimmung schwankt dabei mit den Entwicklungen im Konfliktgebiet. Das globale Harnstoffangebot ist deutlich knapper geworden: Indiens Harnstoffproduktion fiel im März auf 1,75 Millionen Tonnen (ein Rückgang von 750.000 Tonnen gegenüber dem Vorjahr), bedingt durch Einschränkungen bei der Erdgasversorgung; zusammen mit dem Nahost-Konflikt belaufen sich die weltweiten Produktionsausfälle bei Harnstoff mittlerweile auf über 2,5 Millionen Tonnen.
- Die internationalen Harnstoff-FOB-Preise steigen allgemein: Die Angebote aus Nord- und Westafrika liegen mittlerweile über 800 USD/Tonne; die ägyptischen FOB-Preise für granulierten Harnstoff erreichten mit 820 USD/Tonne ein Höchstniveau; die nigerianischen FOB-Preise stiegen auf 810 USD/Tonne; die algerischen FOB-Preise überstiegen 830 USD/Tonne; und die FOB-Preise für granulierten Harnstoff aus dem Nahen Osten lagen bei 790–820 USD/Tonne.
Analyse & Ausblick
- Kurzfristige Entwicklung des inländischen Marktes: Der Harnstoffmarkt dürfte sich kurzfristig weiter in einer engen Bandbreite nahe seinem Tiefststand konsolidieren. Da die landwirtschaftliche Nachfrage in eine saisonale Flaute eintritt und die industrielle Nachfrage unverändert bleibt, ist kein nennenswerter Anstieg der Gesamtnachfrage zu erwarten. Obwohl stabile Kohlepreise eine Preisuntergrenze für Harnstoff bilden, besteht lokal weiterhin Lagerdruck, insbesondere in Regionen mit Transportbehinderungen.
- Internationaler Markt: Der globale Harnstoffmarkt bleibt unterversorgt, wobei ausgeprägte Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage bestehen bleiben. Die andauernden Konflikte im Nahen Osten, Störungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus sowie die anhaltende Nachfrage im April und Mai werden den internationalen Harnstoffmarkt kurzfristig in einem hohen, eng begrenzten Preisband mit angespanntem Angebot halten.
Prognose
- Preisentwicklung: Kurzfristig werden die inländischen Harnstoff-Spotpreise voraussichtlich stabil bleiben und lediglich geringfügige Schwankungen innerhalb einer engen Bandbreite zeigen; größere Aufwärts- oder Abwärtsbewegungen erscheinen unwahrscheinlich. Die Terminpreise könnten weiterhin volatil bleiben, beeinflusst durch internationale Marktentwicklungen sowie makroökonomische Stimmungslagen.
- Angebots-Nachfrage-Verschiebungen: Mit Eintritt der landwirtschaftlichen Nachfrage in die Nebensaison wird der inländische Harnstoffmarkt zunehmend unter Angebotsdruck geraten. Gleichzeitig sorgen jedoch die angespannte internationale Versorgungslage sowie die Notwendigkeit von Compounddüngemittel-Herstellern, ihre Rohstoffvorräte wieder aufzufüllen, für lokale Preisstützen.
- Markt-Risiken: Besondere Aufmerksamkeit gilt der sich dynamisch entwickelnden geopolitischen Lage im Nahen Osten und ihren Implikationen für den globalen Harnstoffmarkt. Gleichzeitig könnten auch Veränderungen bei den Auslastungsraten der inländischen Harnstoffanlagen, Schwankungen der Kohlepreise sowie mögliche staatliche Interventionen den Harnstoffmarkt erheblich beeinflussen.
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