Schwefelmarkt-Dynamikbericht – Aktuelle Rohstoffmarkt-Intelligenz
I. Preisentwicklung
- Inländische Preise: Mitte Mai 2026 haben die inländischen Schwefelpreise in China allgemein die Marke von 7.000 RMB/Tonne überschritten; bei einigen Spot-Transaktionen wurden sogar Preise über 8.000 RMB/Tonne erzielt – ein 20-Jahres-Hoch. Am Hafen Zhenjiang liegt der Preis für granulierten Schwefel bei 7.300–7.400 RMB/Tonne; fester Schwefel aus Shandong-Raffinerien wird zu 6.900–7.100 RMB/Tonne gehandelt; in den Regionen Ost- und Südchina bewegen sich die Schwefelpreise zwischen 7.000 und 7.200 RMB/Tonne.
- Internationale Preise: Auf den weltweiten Märkten konzentrieren sich die CFR-Preise für Schwefel aus Brasilien, Indonesien und Afrika bei 1.000–1.100 USD/Tonne. Die Kuwait Petroleum Corporation (KPC) setzte ihren FOB-Schwefelpreis für Mai auf 765 USD/Tonne fest – ein Anstieg um 195 USD/Tonne im Vergleich zum Vormonat und der höchste Wert seit Einführung ihres Preisfestlegungsmechanismus im Jahr 2019. Qatar Energy erhöhte seinen FOB-Preis für Mai auf 740 USD/Tonne, den höchsten Stand seit 2013.
II. Angebots-Nachfrage-Situation
- Angebotsseite:
- Inländisches Angebot: Das Wachstum der inländischen Schwefelproduktion bleibt begrenzt; zudem haben Wartungsschließungen von Raffinerien die Produktion weiter reduziert. So betrug Chinas Schwefelausstoß im April 2026 insgesamt 998.800 Tonnen – ein Rückgang um 62.900 Tonnen (–8,38 %) gegenüber dem Vormonat.
- Importlage: China weist nach wie vor eine hohe Abhängigkeit von Schwefelimporten auf; allerdings sind die jüngsten Importvolumina stark gesunken. Im März 2026 beliefen sich die Schwefelimporte auf 516.300 Tonnen – ein Rückgang um 42,20 % gegenüber dem Vorjahresmonat; die kumulierten Importe für Januar bis März 2026 erreichten 1,5501 Millionen Tonnen – ein Minus von 37,67 % im Jahresvergleich.
- Lagerbestände an Häfen: Die nationalen Hafenlagerbestände an Schwefel sinken weiterhin. Mitte Mai 2026 waren die Gesamtlagerbestände auf 1,0808 Millionen Tonnen gefallen – fast halb so hoch wie zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.
- Nachfrageseite:
- Phosphatdüngemittelindustrie: Als größter Verbraucher von Schwefel verzeichnet der Sektor für Phosphatdüngemittel infolge der gestiegenen Schwefelpreise rückläufige Auslastungsraten. So lag die Kapazitätsauslastung für Monokaliumphosphat (MAP) bei 50,93 % – ein Rückgang um 2,1 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche; die Kapazitätsauslastung für Dikaliumphosphat (DAP) betrug 41,33 %.
- Neue-Energie-Branche: Der Ausbau der Elektromobilität hat die Nachfrage nach Lithium-Eisenphosphat-(LFP-)Batterien gesteigert und dadurch die Schwefelangebots-Nachfrage-Lücke weiter vergrößert.
- Andere Industrien: Die Schwefelnachfrage aus der Titandioxid- und Caprolactam-Industrie bleibt stabil, wobei das Wachstum jedoch unter breiteren makroökonomischen Belastungen abgeschwächt wurde.
III. Marktentwicklungen
- Geopolitische Auswirkungen: Die eskalierenden Konflikte im Nahen Osten haben den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus gestört und Lieferunterbrechungen von wichtigen Exporteuren wie dem Iran und Saudi-Arabien verursacht – was die globale Schwefelknappheit weiter verschärft.
- Politische Maßnahmen: Die chinesische Regierung hat mehrere Maßnahmen zur Linderung der Schwefelversorgungsengpässe eingeleitet, darunter die Aussetzung der Phosphatdüngemittel-Exporte bis August 2026 sowie Beschränkungen bei den Schwefelsäureexporten, um die inländische Nachfrage zu sichern.
- Marktstimmung: Marktteilnehmer halten generell eine „Halten-und-Warten“-Strategie ein und zeigen geringe Bereitschaft zum Verkauf. Die anhaltende physische Knappheit verstärkt weiterhin den Aufwärtspressdruck auf die Preise.
Analyse & Bewertung
I. Treiber der Preissteigerungen
- Angebotsknappheit: Geopolitische Spannungen im Nahen Osten haben das globale Schwefelangebot gestört; diese Entwicklung wird durch Instandhaltungsschließungen inländischer Raffinerien und sinkende Importvolumina noch verstärkt – was die gesamte Angebotsknappheit intensiviert.
- Steigende Nachfrage: Der Ausbau des neuen Energiesektors sowie die anhaltende strukturelle Nachfrage aus der Phosphatdüngemittelindustrie treiben gemeinsam das Schwefelverbrauchswachstum voran.
- Kostensteigerung: Als Nebenprodukt der Erdölraffination und Erdgasreinigung steigen die Produktionskosten für Schwefel mit steigenden Rohöl- und Erdgaspreisen – was die Schwefelpreise zusätzlich nach oben treibt.
II. Markt-Risiken
- Preisvolatilitätsrisiko: Angesichts der historisch hohen Schwefelpreise könnte jede Entspannung der geopolitischen Spannungen oder eine nennenswerte Erhöhung des Angebots zu schnellen Preisrückgängen führen.
- Risiko einer Nachfrageeinbuße bei nachgelagerten Branchen: Die hohen Schwefelpreise belasten die Kostenstruktur nachgelagerter Industrien – darunter die Phosphatdüngemittel- und Titandioxid-Industrie – erheblich; einige Unternehmen berichten bereits über Verluste und haben ihre Produktion eingestellt. Eine langfristig hohe Preisphase könnte die Nachfrage bei nachgelagerten Branchen weiter schmälern.
Ausblick
I. Kurzfristiger Ausblick
- Preisentwicklung: Die Schwefelpreise werden voraussichtlich kurzfristig auf einem hohen Niveau konsolidieren. Die anhaltende geopolitische Unsicherheit sowie die Unfähigkeit, die globale Angebotslücke rasch zu schließen, werden die Preisstützung fortsetzen. Gleichzeitig liegt die Nachfrage im Inland bereits nach der Hochphase der Frühjahrslandwirtschaft hinter uns, und die Hersteller von Phosphatdüngemitteln werden ihre Betriebslasten aufgrund der Exportbeschränkungen weiter senken – was zu einem deutlichen Rückgang des Schwefelverbrauchs führen wird. Folglich erscheint ein starker weiterer Aufwärtstrend unwahrscheinlich, doch auch eine heftige Abwärtskorrektur ist kaum zu erwarten.
- Marktstimmung: Die „Halten-und-Warten“-Haltung der Marktteilnehmer wird wahrscheinlich anhalten, und die physische Marktknappheit bleibt ausgeprägt.
II. Mittel- bis langfristiger Ausblick
- Angebots-Nachfrage-Struktur: Mit fortschreitender globaler Energiewende unterliegt die Raffinerie- und petrochemische Kapazität langfristigen strukturellen Anpassungen; das Wachstum des Schwefelangebots wird daher voraussichtlich allmählich stagnieren. Gleichzeitig wird die nachhaltige Expansion des neuen Energiesektors sowie die unverminderte Nachfrage aus der Phosphatdüngemittelindustrie die Schwefelnachfrage weiter antreiben. Damit werden strukturelle Angebots-Nachfrage-Ungleichgewichte mittel- bis langfristig bestehen bleiben und einen höheren Preisboden stützen.
- Preisbandbreite: Die Schwefelpreise im Jahr 2026 dürften nicht unter 5.000 RMB/Tonne fallen und werden sich voraussichtlich innerhalb eines erhöhten Bandes bewegen. Sollten sich die geopolitischen Spannungen fortsetzen oder die Nachfrage aus dem neuen Energiesektor die Erwartungen übertreffen, bleiben weitere Preissteigerungen möglich.
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